16. August 2019

News

Nachruf Heijo Hangen

(1927–2019)

Der Künstler und Grafiker Heijo Hangen verstarb am 18. Juli 2019



 

Eine mehrfach diagonal geteilte Quadratfläche, sie war die Grundlage des Werkes von Heijo Hangen, einem nunverstorbenenAngehörigen der dritten Generation konstruktiv-konkreter Künstler. Begonnen hatte Hangen mit freien geometrischen Setzungen, die ihn schon bald in Verbindung mit der Koblenzer Galerie Teufel brachten, finanziert hat er seine künstlerische Arbeit zunächst durch Gestaltungen für die US-amerikanischen Informationsbehörden, durch Ausstellungen und Kataloge. Hier steht er in einer Tradition mit dem auch durch seine frühen form-Titel bekannten Karl Oskar Blase. Durch die Ausstellungen wurde Heijo Hangen auch auf einen der bedeutendsten Gestalter-Erfinder überhaupt, auf Richard Buckminster Fuller aufmerksam, zu dessen Werk die amerikanischen Informationsbehörden eine Wanderschau organisierten. Bei Fuller sieht Hangen die Verbindung von Modul und System, etwas, was seinem Werk ab 1962 eine neue, entscheidende und dauerhafte Richtung geben wird. Er entwickelt ein durch mehrere diagonale Quadratteilungen entstandenes Modul, das gedoppelt wieder ein Quadrat ergibt, an- und übereinandergelagert werden kann. Dieses Modul wird zum unverwechselbaren Hangen-Element und damit zum Zeichen, es korrespondiert mit den zeitgleichen formalen Festlegungen etwa von Winfred Gaul, Thomas Lenk oder Georg Pfahler. Darüber hinaus gibt es methodisch-formale Bezüge zu Jan Kubíček sowie farbliche, besonders zu Bob Bonies. Dabei wurde das Modul nicht nur in Bildern angewandt, sondern zum Beispiel auch bei Kunst am Bau-Projekten oder individuellen Schmuckgestaltungen.

Diese modularen Bilder sorgen für Aufmerksamkeit. So stellt ihn die Studiogalerie in der Universität Frankfurt zusammen mit dem Bildhauer Eberhard Fiebig aus, woran 2018 das Frankfurter Museum Giersch in einer Ausstellung erinnert. 1968 markiert auch den Beginn seiner Zusammenarbeit mit der Edition und Galerie Hoffmann, der neben Teufel zweiten wichtigen Galerie Hangens. Repräsentative Mappen und Einzelgrafiken entstehen, die die Ab- und Entwicklung des Moduls verständlich machen. Es sind Beispiele einer Denkweise, die mit begrenzten Mitteln arbeitet und mit diesen ein enorm vielfältiges Werk schaffen kann, mithin eine eindrucksvolle Widerlegung des Vorurteils, dass Systematik einengt. Endlich erscheint 1998 eine von Hangen auch grafisch maßgeblich bestimmte Monografie; 2018 kann er schließlich den Rückblick auf die Studiogalerie Frankfurt noch selbst begleiten und besichtigen. Listig, wie er ist, hat Hangen nach der Zurückhaltung Eberhard Fiebigs dessen Ausstellungsteil mit ihm gehörenden Exponaten maßgeblich mitbestimmt, die 1968 erstmals realisierte Doppelpräsentation von Bild und dreidimensionaler Arbeit bleibt so gewahrt. Schließlich sei Hangens eigene Typografie erwähnt, die nicht nur Kataloge umfasste, sondern auch die Todesanzeige seiner Frau und, hier in den Beitrag aufgenommen, seine eigene, bis auf weiteres endgültige Adresse.

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