13. März 2020

News

Masken: Zwischen Funktion und Dystopie

Text: Anton Rahlwes

Die Maske wird durch das Coronavirus momentan zum traurigen Sinnbild stilisiert. In vielen Apotheken sind Mundschutz- und Atemmasken bereits ausverkauft. Höchste Zeit, die Vielfältigkeit der Maske – abseits des allgegenwärtigen Mundschutzes – auch aus dem Blick der Designszene zu betrachten. form stellt vier Projekte vor.

 

Das abstrakte Denken – das Vorstellungsvermögen über das Selbst hinaus – eröffnete dem Menschen unendliche Möglichkeiten. Der Preis für diese Möglichkeiten ist die Angst, allem voran die Angst vor der eigenen Vergänglichkeit. Wenn wir uns im Spiegel betrachten, sehen wir die Maske des Todes. Wir wissen, dass unmittelbar unter unserer Haut der knöcherne Schädel, Symbol unserer Endlichkeit, liegt. Im 21. Jahrhundert nimmt diese Form der Todesangst krude Formen an. Wir maskieren uns, um die Rollen der Gesellschaft zu erfüllen und haben fast vergessen, das Make-up, Sonnenbrille und Atemschutz immer auch eine Metapher für den Tanz mit Gevatter Tod sind.



 

Radiation

marineserre.com

 

Die noch junge, aber bereits sehr erfolgreiche Modedesignerin Marine Serre legt in ihrer neuesten Kollektion „Radiation“ großen Wert auf eine bildgewaltige Erzählung. Die gegenwärtige Faszination für post-apokalyptische Weltuntergangsszenarien inspirierte die französische Modedesignerin zu einer Kollektion, die die Zeitepoche nach dem Zusammenbruch der hedonistischen Konsumgesellschaft skizziert. Unheimliche Figuren wandern durch die zerfallenen Ruinen der früheren Metropolen, ausgestattet mit strahlungsresistenten Overalls sowie Schmuckwerk aus Muscheln und Gasmasken. Den lebensfeindlichen Bedingungen trotzend, sprießen hier und da zarte Wildblumen aus den Überresten der einstigen Zivilisation.



 

Phantom Trainingsmaske 

phantom-athletics.com

 

Das Prinzip der Phantom Trainingsmaske ist schnell erklärt: Durch die künstliche Blockade des Atems soll bei verschiedenen Arten der sportlichen Ertüchtigung die Muskulatur und damit die Leistungsfähigkeit der Lunge gesteigert werden. Dazu ein Design, das selbst die Comicfigur Bane vor Neid erblassen ließe. Man kann sich dennoch fragen: Ist das Leben nicht schon anstrengend genug? Die Leistungsgesellschaft macht offensichtlich vor nichts Halt. Selbst das Atmen, einer der wenigen Vorgänge, den die Mehrheit sorglos bewältigt, soll nun zwangsoptimiert werden. Für all jene, die sich an dieser Stelle zurecht fragen, ob ihr bisheriges Trainingsprogramm wirkungslos war, können wir Entwarnung geben. „[E]inschlägige Studien“ in „Zusammenarbeit mit Universitäten“, die die effektive Wirkung der Maske belegen, stehen laut Hersteller noch aus. Bis diese vorliegen, empfehlen wir schnödes Ein- und Ausatmen.

 



 

Kaijyu Maske

riokobayashi.com

 

Die Kaijyu Maske des Designers Rio Kobayashi spiegelt sein kulturelles Erbe wider. In ihr verbindet sich seine japanische Vergangenheit mit der europäischen Gegenwart. Kobayashi bannte seine Erfahrungen, Einflüsse und Erlebnisse in ein tragbares Objekt und kreierte eine Momentaufnahme seiner Selbstwahrnehmung. Die Maske besteht aus rotem Zedernholz, bunter Malerei und Schweineborsten und wurde vom Designer handgefertigt. Kobayashi glaubt an hohe Qualität und wertige Verarbeitung und nimmt diese Werte als Grundlage für jede seiner poetischen Schöpfungen.



 

Im Wald der Masken

laurentmoreau.fr

 

Im Wald der Masken herrscht wildes Treiben. Neben heimischen Hasen und Vögeln leben auch exotische Tiere wie Affen und Tiger im üppigen Grün. Sogar ein Waldriese findet sich dort. Alle zusammen vertreiben sie den garstigen Jäger. Das im Gestalten Verlag in der Rubrik Kleine Gestalten erschienene Buch „Im Wald der Masken“ gewinnt vor allem durch die schönen Illustrationen von Laurent Moreau. Farbenfroh kommen sie daher und machen Lust auf Flora und Fauna. So kann man sich selbst als Erwachsener trotz kindgerechter Texteinlagen im Maskenwald verlieren und möchte sich einfach eine der herausnehmbaren Masken überstreifen – bereit fürs nächste Abenteuer.

 

 

Dieser Artikel erschien in form 285. Design and Prosthetics. Die komplette Ausgabe können Sie hier erwerben.

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